Der Druck

Der Strich allein macht noch keine Zeichnung. Was in den ersten Fassungen nach Vektorgrafik aussah, waren nicht die Linien – es waren die Flächen und das Blatt darunter.

Drei Handgriffe machen daraus einen Druck: die Farbfläche sitzt nicht exakt in ihrer Kontur, sie blutet an ihrem Rand ins Papier aus, und das Papier ist nie gleichmäßig. Dazu kommt die Frage, wer die Farben überhaupt kennt – und die Antwort ist: niemand außer der Palette.

Fehlregister

flaeche() legt die Fläche nicht dorthin, wo ihre Kontur ist. Sie wird um 0.008 bis 0.016 Einheitsmaß verschoben und um bis zu 1,5 % anders groß gezeichnet: die Farbplatte trifft die Strichplatte nicht genau. Mal steht die Farbe über die Linie, mal bleibt auf der anderen Seite ein heller Saum.

Richtung und Maß hängen am Seed, also am Kopf – einmal je Stift aus der Spur 'register' gezogen. Ein Blatt, auf dem jede Fläche in eine andere Richtung rutscht, wäre kein Fehlregister, sondern ein Wackelkontakt.

Eine Platte je Farbe

Eine Presse hat je Farbe eine Platte, und jede sitzt ein wenig anders. Trotzdem liegt hier fast alles auf DERSELBEN: Haut, Haar, Lippen und Zierrat rutschen gemeinsam gegen den Strich, sonst sähe ein Kopf aus wie ein Wackelkontakt.

Eine Ausnahme gibt es. Der Stoff am Hals – Hemdkragen, Wollsaum – nennt platte: 'kleid' und bekommt damit eine eigene Richtung, aus demselben Seed gezogen. Er ist nicht der Kopf, er ist das, worauf der Kopf sitzt, und im Druck wäre er ein eigener Durchgang. Dort unten sieht man das Register am besten: es ist die größte zusammenhängende Fläche am unteren Rand, und die Rippen der Strickerei liegen als Tinte darauf, ohne mitzurutschen.

Ausbluten

Unter jeder Druckfläche liegt dieselbe Fläche noch einmal: 3 % größer, bei 14 % Deckung. Die Farbe läuft ein wenig ins Papier, und der Rand ist dadurch ein Saum statt einer Kante. Es ist derselbe Handgriff wie der Saum um einen punkt() – dort mit 7 % und 16 %, weil eine Sommersprosse kleiner ist als eine Wange.

Wofür der Druck NICHT gilt

Gedruckt wird von selbst: der Stift druckt, und eine Fläche muss darum nicht bitten. Nur wer trocken bleiben will, sagt es – trocken: true. Umgekehrt herum stand die Regel einmal als druck: true an siebzehn einzelnen Aufrufen, und eine Gegenprobe ohne Druck war nur über einen nachgebauten Zeichenweg zu haben. Jetzt ist sie das letzte Argument von macheStift.

Drei Arten von Flächen bleiben trocken:

FlächeGrund
Hals, Ohr, Hutband Sie müssen an etwas anschließen. Ein Hals, der um ein Prozent verrutscht, ist ein Spalt unter dem Kinn; ein Band, das von der Krone rutscht, hängt in der Luft.
Pflaster, Zähne, Zunge Zierrat, klein genug, dass ein Versatz nicht nach Druck aussieht, sondern nach Fehler.
Die Tönung des Brillenglases Beides zugleich. Sie muss an die Fassung anschließen, und der Versatz ist ein festes Maß im Kopfraum: auf der Haut ein Fünfzigstel ihrer Breite, auf einem Glas ein Sechzehntel. Der Versatz wächst nicht mit der Fläche mit – deshalb ist die Frage nie „Presse an oder aus", sondern wie groß er im Verhältnis zu DIESER Fläche ist.

Das Papier

Das Korn wird einmal in eine 128er-Kachel gezeichnet und danach als Muster über das ganze Blatt gefüllt. Neu gewürfelt sähe es bei jedem Bild anders aus – aus Papier würde Fernsehrauschen. Davon abgesehen wären ein paar tausend Punkte je Bild teurer als der ganze Rest der Zeichnung.

Im Korn liegen zwei Dinge: Punkte (900, sehr blass) und Fasern (70 kurze Striche in zufälliger Richtung, noch blasser). Nur Punkte sind Rauschen. Fasern sind Papier.

Dazu wird das Blatt zu den Rändern hin um zwei, drei Prozent dunkler – ein radialer Verlauf, dessen Mitte etwas oberhalb der Blattmitte sitzt, dort, wo das Licht herkäme. Ein Papier, das überall exakt denselben Ton hat, ist ein Bildschirm.

Farbe als Rollen

Kein Zeichenschritt nennt je einen Hexwert. Er fragt nach p.tinte oder p.akzent. Das ist dieselbe Trennung wie bei den CSS-Tokens dieser Seite – nur dass Canvas keine Variablen kennt und die Auflösung deshalb in palette.ts passieren muss.

Rollewofür
tinteder Strich. Alles Gezeichnete außer Haar und Akzent.
tinteWeichzurückgenommener Strich: Ohrmuschel, Fältchen.
sprosseSommersprossen – ein warmer Ton zwischen Rot und Braun. In Tinte lasen sie sich als Stoppeln.
hautdie Kopffläche. Sehr hell – sie trägt keine Farbe, sie trägt einen Hauch.
hautTiefder Schatten der Kopffläche an ihrer Unterkante.
schattender weiche Schatten IM Kopf, zur abgewandten Seite. Halbdurchsichtig, weil er über der Haut liegt und ihren Ton behalten soll.
blankdas Helle im Gesicht: Zähne, der Glanz im Auge, helle Ringe auf dunklem Zierrat. Nah am Papier, mit einem Hauch des Hauttons – nicht die Haut selbst, die kann dunkel sein.
akzentWangen, Lippen, Zunge – immer dunkler als die Haut.
sternFarbe(t)keine feste Rolle, sondern eine Tabelle: acht poppige Töne für die Sterne im Auge. Der Akzent allein war zu wenig – neun Köpfe mit demselben Korallenstern sind ein Stempel.
haarHaar und Bart teilen sich eine Farbe: zwei Töne im selben Gesicht lesen sich als zwei Personen.
stoffKopfbedeckung. Setzt sich vom Haar ab, sonst verschwindet sie darin.
stoffTiefderselbe Stoff, dunkler und etwas bunter: das Band am Hut. Eine eigene Farbe wäre ein zweites Kleidungsstück am Kopf.
pflasterein Pflaster: heller als die Haut, mit einem Hauch Sand.

haarDunkel ist keine Farbe

Neben den zehn Farben steht ein boolean. Auf schwarzem Haar ist ein Strich in Tinte nichts; dort muss die Zeichnung ausgespart werden – hell statt dunkel. Die Frage, ob das nötig ist, beantwortet die Palette selbst (haarDunkel: hl < 0.5).

Die Farbe zurückrechnen

Symptom: Die Strähnen auf dunklem Haar sind unsichtbar, auf blondem viel zu hart.

Ursache: Die Zeichnung wollte die Helligkeit aus der Farbe ablesen. Die Farbe ist zu diesem Zeitpunkt aber ein CSS-String – wer sie befragen will, müsste rgb(…) parsen und nach OKLCH zurückrechnen, in jedem Bild, für jede Strähne.

Lösung: Der Merker wird dort gesetzt, wo die Helligkeit noch eine Zahl ist – in machePalette.

OKLCH: sieben Hauttöne und was ihnen folgt

Bis zum 17.08.2026 hatten alle Köpfe dieselbe Helligkeit: L = 0.955, C = 0.007, nur der Farbton wanderte. Das war eine Regel gegen ein echtes Problem – Helligkeit, die als Zufall auf einen Ton gestreut wird, sieht im Raster nach Fehldruck aus – mit einer falschen Folge: alle Köpfe waren fast weiß.

Jetzt liegt die Helligkeit in der Tabelle, Zeile für Zeile von Hand gesetzt, zusammen mit der Buntheit: L von 0.72 bis 0.955, C von 0.06 herunter auf 0.012. Dunklere Haut braucht mehr Buntheit, sonst wird sie grau; helle fast keine, sonst wird sie orange. Dazu Gewichte – die kräftigen Zeilen kommen vor, aber selten (zusammen gut ein Zehntel der Köpfe) – und ab HAUT_BUNT_AB = 0.88 eine zweite Liste mit Farben: Minze, Flieder, Rosé, Eis, Moos, Beere. Das Blatt ist kein Ausweisfoto.

Nach unten endet die Tabelle bei L = 0.72. Das ist eine Aussage über diesen Stil, nicht über Menschen: er zeichnet mit einem dunklen Strich (Tinte um 0.27) auf die Fläche, und alles im Gesicht – Lidbögen, Nase, Fältchen, Stoppeln – ist derselbe Strich. Unter 0.7 saufen diese Züge ab. Ein dunklerer Kopf bräuchte ausgesparte, helle Züge, also einen zweiten Zeichenweg; solange es den nicht gibt, wäre eine dunklere Zeile ein Versprechen, das die Presse nicht hält.

Was auf der Haut liegt, rechnet von ihrer Helligkeit aus: hautTief (Schatten) einen Schritt darunter, akzent (Wangen, Lippen) 0.13 darunter, sprosse 0.22 darunter, pflaster darüber. Und was hell sein muss – Zähne, der Glanz im Auge, helle Ringe auf dunklem Zierrat – nimmt die neue Rolle blank statt der Haut. Vorher war das die Hautfarbe; das ging nur, solange jede Haut fast weiß war.

Haar: zehn Naturtöne, sieben gefärbte

Vorher waren es sechs Naturtöne, von denen drei dasselbe dunkle Braun meinten – ein Blatt sah aus wie eine Familie. Jetzt reichen sie von Schwarz über Kupfer und Asche bis Weiß, und die warmen unterscheiden sich in der Buntheit, nicht nur in der Helligkeit: Kupfer ist nicht hellbraun, es ist bunter. Auch hier Gewichte: Ocker und Kupfer sind die lautesten Töne auf dem Blatt und stünden gleichverteilt auf jedem zweiten Kopf.

Ab BUNT_AB = 0.82 greift die zweite Liste – knapp ein Fünftel der Köpfe. Die gefärbten dürfen poppig sein, aber sie dürfen das Blatt nicht sprengen: höchstens die Buntheit des Akzents (0.115). Ein Neonpink mit C = 0.25 wäre auf einem Blatt aus Papier und Bleistift ein Aufkleber.

Und selten. Neun gefärbte Köpfe nebeneinander sind kein Merkmal mehr, sondern die Regel.

Die Grenze der CSS-Rollen

Die Seite hat ihre eigenen Rollen-Token (--flaeche, --vordergrund, …). Sie decken die Seite ab, nicht das Canvas: dort löst kein Browser eine Variable auf. Deshalb gibt es die Rollen zweimal – in CSS für das Dokument, in palette.ts für die Zeichnung.

Über die Brücke gehen genau zwei Rollen: --marke-canvas für die Beschriftung unter den Köpfen und --flaeche für den Schleier über dem Raster. Beide stehen namentlich in scripts/check-rollen.mjs, und eine dritte kommt nicht dazu, ohne dass jemand sie dort einträgt. Mehr dazu bei den Schichten und den Fallen.